Somewhere in Kerry …

Irland / County Kerry
Während wir in unserer kleinen Unterkunft in Kerry darauf warteten, dass der Regen endlich nachließ, wurden wir es leid, dem Wetter nur vom Fenster aus zuzusehen. Also taten wir das Naheliegendste — wir überquerten das Tal und bestiegen den kleinen Hügel gegenüber, einfach um zu sehen, was wir dort entdecken würden.
Die Luft war noch immer schwer von Feuchtigkeit, und dichte Wolken hingen tief über der Landschaft, geschichtet und unruhig. Auf schmalen Wirtschaftswegen, die sich zwischen Schafweiden und satten grünen Flächen den Hang hinaufzogen, begann der Himmel — wie so oft in Irland — langsam aufzureißen. Das Licht kam nicht plötzlich. Es sickerte zögerlich durch die Wolkendecke, beleuchtete einzelne Fragmente der Landschaft und ließ den Rest in nachdenklichem Halbdunkel zurück.
Von einer Art Plateau aus eröffnete sich der Blick in alle Richtungen: sanft geschwungene Hügel, die in der Ferne im Dunst verschwammen, dunkle bewaldete Hänge, die ins Tal abfielen, und ein Flickenteppich aus Feldern, der sich bis zu den kaum erkennbaren Bergen am Horizont erstreckte. Dann, ganz plötzlich, brach ein einzelner goldener Seitenlichtstrahl durch die Wolken und ergoss sich in das nahe Tal. Die Landschaft verwandelte sich augenblicklich — Hecken, Felder und verstreute Häuser lagen in einem stillen, beinahe traumhaften Leuchten, während die umliegenden Hügel in ernsten, gedämpften Tönen verharrten.
Um uns herum glänzten Farne und niedrige Heidegewächse, ihre Grüntöne und rostfarbenen Spitzen leuchteten selbst im diffusen Licht lebendig auf. Der Kontrast zwischen Schatten und Licht, zwischen Schwere und Wärme, wirkte fast unwirklich.
Für einen Moment vergaß ich, warum wir überhaupt hinaufgestiegen waren. Ich stand einfach nur da, gefangen zwischen den ziehenden Wolken über mir und dem goldenen Tal unter mir — bis meine Frau mich sanft aus meinem Tagtraum holte und mich daran erinnerte, endlich den Auslöser zu drücken.


