Atacama

Wir betraten die Atacama-Wüste von der argentinischen Seite aus – mit dem Ziel, den Ojos del Salado (6891m Amerikas Second Summit) zu besteigen. Im Gegensatz zur vergleichsweise „einfachen“ Route von Chile, bei der man mit dem Auto bis zu einem Refugio nahe am Berg gelangt, beginnt die argentinische Variante auf etwa 3.000 Metern Höhe, man hat also noch beinahe 3.900 Höhenmeter vor sich – und diese verlangen einem alles ab.
Über mehrere Tage hinweg kämpften wir uns mit mehr als 30 kg Gepäck pro Person durch ein extrem ruppiges Terrain. Lose Sandfelder wechselten sich mit scharfkantigen, aggressiven Felsblöcken ab – eines der anstrengendsten Gelände, das ich je durchquert habe. Nahrung, Unterkunft und Wasserversorgung mussten wir komplett selbst tragen und organisieren.
Meine Vorstellung von der Wüste war geprägt von dem, was man allgemein liest: trocken, lebensfeindlich, unnahbar. Entsprechend groß war der Respekt – um ehrlich zu sein: wir hatten gehörig Schiss – als wir uns entschieden, ohne Maultiere und völlig auf uns allein gestellt aufzubrechen.
Doch schon in den ersten Tagen zeigte sich die Wüste von einer völlig anderen Seite. Statt stiller Leere erwarteten uns tägliche Gewitter auf über 4.000 Metern, heftige Sturmböen, Blitzeinschläge in unmittelbarer Nähe und sogar Hagel. Die Tour wurde zur echten Tortur – ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen.
Und trotzdem: Die Landschaft war so überwältigend, dass wir die Strapazen beinahe vergaßen. Die Farben leuchteten in unglaublichen Facetten. Schmelzwasser aus den höheren Regionen verwandelte Teile der Wüste in grüne Bänder, wie auf diesem Bild zu sehen – ein überraschend lebendiger Kontrast zur kargen Umgebung. Unter einem kristallklaren, tiefblauen Himmel, wie man ihn nur in dieser Höhe erlebt, wirkte alles fast surreal.
Wo immer Wasser war, explodierte das Leben förmlich.
Am Ende mussten wir die Besteigung abbrechen. Starke Schneefälle und gefährlicher Blitzschlag machten ein Weiterkommen unmöglich. Doch diese zehn Tage in der Atacama haben sich unauslöschlich in unser Gedächtnis eingebrannt. Nur wenige Menschen bekommen die Gelegenheit, die Wunder dieser Region so unmittelbar und intensiv zu erleben.


